Fotoabenteuer Lappland – Paradies aus Licht, Frost und Stille
Fotoabenteuer Lappland, das bedeutet: klirrende Kälte, beißender Wind und hüfthoher Schnee bei Temperaturen von bis zu -30 Grad Celsius. Du musst es wollen, sonst wirst du hier nicht glücklich. Apropos glücklich: Das mit dem Happyness-Faktor kläre ich am besten gleich auf. Die Kältelandschaften in dieser unwirklich anmutenden Welt haben uns – ob ihrer Faszination – ebenso begeistert wie sprachlos gemacht. Der Anblick dieser grandiosen Landschaften löst definitiv schwere Serotonin-Schübe aus. Das fühlt sich ein bisschen so wie verliebt sein an. Seit dieser Fotoreise weiß ich: Lappland im Winter MUSS man einmal im Leben gesehen und gespürt haben!

Kälte ist ganz still. Außer dem Plätschern des Wassers hörst du nichts. Innehalten!

Hallo, ihr zwei!
Handschuhe wie Klitschko
Bleiben wir trotz aller Kälte also positiv. Immerhin ist geklärt, was du anziehst: alles! Wie in sämtlichen kälteren Regionen gilt hier das Zwiebelprinzip. Und das zählt ganz besonders für Socken, Handschuhe & Mütze. Erst die dünnen Merino-Fingerhandschuhe, darüber gefütterte Basishandschuhe, zuletzt die dicken Fäustlinge. An den Füßen bilden „Sorel Caribou“-Schuhe die letzte Schicht, am Kopf eine Lammfell-Fliegermütze mit ihren markanten Ohrenklappen. An den Füßen bist du also Bigfoot, an den Händen Klitschko und am Kopf siehst du aus wie ein japanischer Kamikaze-Pilot. Am Körper helfen Merinowolle und Daunen, darüber eine letzte atmungsaktive wind- und wasserdichte Schicht. Du wirst es brauchen! Uff!

Für solche Landschaften sind wir hergekommen!

Mit den dick-unförmigen Handschuhen sind deine Hände so groß wie ein T-Bone Steak. Die Bedienung der Kameraknöpfe gestaltet sich also recht grobmotorisch. Hier war übrigens schon längst das rückwärtige Display meiner Sony A7RV ausgefallen… Aaargh!

Erster Morgen, Ankunft am Fotospot bei Nacht, Blick aufs Cockpit-Display: Minus 30 Grad Celsius. Ganz schön kalt. Wir haben Muffe auszusteigen.
Fotoabenteuer Lappland – Frost in der Thermoskanne
Das Outfit hätten wir also für das Fotoabenteuer Lappland geklärt. In Sachen Fotoausrüstung hat jeder seine ganz persönlichen Favoriten-Linsen im Rucksack, die Akkus sollten zur Vermeidung von Kälteschäden direkt am Körper getragen werden. Getränke nimmst du am besten heiß in der Thermoskanne mit, dann frieren sie erst nach drei bis vier Stunden und nicht schon in der ersten ein. Wenn du deine teuren Zahnkronen schützen möchtest, verzichtest du besser auf Schokoriegel & Co, die du ausschließlich in gefrorenem Zustand genießen kannst. Erfahrungsgemäß bleibt der Hunger aber klein bei tiefen Minusgraden.

Alles weiß, weiß, weiß! Traumbedingungen zum Fotografieren.


„Tykkylumi“ wird die schwere Schneelast in Finnland genannt. Je nach Baumbewuchs unterscheiden sich die Landschaften ganz erheblich voneinander.

Es entstehen bizarre Formationen durch die „Tykkylumi“. In der finnischen Mythologie und Folklore ist die Rede von allerlei Winterfabelwesen, die hier existieren sollen. Hast du schon den kleinen Wichtel auf diesem Foto entdeckt?

Na gut, hier wurde ein bisschen nachgeholfen!

Wenn du im Riisitunturi-Nationalpark unterwegs bist, kommst du abends an dieser Hütte vorbei, die direkt am Parkplatz steht. Schön, oder?
Dein wichtigstes Objektiv: Schneeschuhe!
Und jetzt komme ich nochmal auf die Fotoausrüstung zurück: Dein wichtigstes Equipment für außergewöhnliche Fotos sind ein Paar Schneeschuhe. Gleich nochmal: Gehe nie, nie, nie ohne Schneeschuhe auf eine Fototour in die Weite der schneebedeckten Taiga! Andernfalls wirst du aufgrund des hüfthohen Schnees auf den ausgetretenen Pfaden bleiben müssen. Ergebnis: Auf deinen Fotos werden eben diese ausgetretene Pfade zu sehen sein und keine unberührten Schneelandschaften. Und überhaupt: Schneeschuhwandern ist eigentlich ganz easy. Vorwärts zumindest, rückwärts nicht! („Plumps!“) Aber das hast du nach dem dritten Schneeengel raus.

Darauf hatten wir vor Reiseantritt gehofft und es letztlich auch bekommen: Pastellfarbene Farbverläufe in Pink am Himmel!

Schneeschuhwandern in endlosen Weiten. Kann man nicht beschreiben, muss man erleben!


Traumhafte Fotomotive. Tausende!
Unsere Homebase: eine Hütte im Wald
Für unser Fotoabenteuer Lappland haben Dauer-Reise-und-Fotopartner Holger Kröger (den kennst du bestimmt aus vorangegangenen Blogbeiträgen von mir) und ich uns das Gebiet nördlich des kleinen Flughafens Kuusamo ausgeguckt. Eine (sehr moderne) Hütte im Wald ist die Homebase, ein Mietwagen mit Spikereifen unser „Rentierschlitten“, mit dem wir die Nationalparks erkunden und der uns ohne Ausfälle bis an die russische Grenze bringt. Übrigens: Finnland verfügt über 41 Nationalparks, in denen du auf unberührten Pfaden die stille Schönheit und beeindruckende Vielfalt der finnischen Natur erleben kannst. Im Vergleich: Deutschland kann dagegen lediglich 16 Nationalparks bieten.
Der Riisitunturi-Nationalpark

Mit den letzten Sonnenstrahlen beginnt die magische Fotozeit im Riisitunturi-Nationalpark. Die besten Bedingungen erwarten dich, wenn du ein paar Kilometer abseits der üblichen Wanderrouten fotografierst.

Gegenlicht!

Erstaunlich, wie viele Tierspuren du in diesem lebensfeindlich anmutenden Gelände ausmachen kannst.

Schnell weg! Oder ist doch etwas dran, an der Mythologie der Samen, die Geschichten von geheimen Wesen erzählen, die hier in der Kälte leben, das Licht kontrollieren oder als Geister in der Landschaft spuken?



Kurz vor Einbruch der Nacht.


Mit unser Unterkunft im Wald haben wir großes Glück! Die wurde erst im Vorjahr erbaut und verfügt über deutlich mehr Komfort als das Herz begehrt – klasse!
Lady Aurora ziert sich
Man darf es so sagen: Holger und ich können beim Fotoabenteuer Lappland bei unfassbar guten fotografischen Bedingungen alles sehen und fotografieren, was man sich bei so einer Tour nur wünscht. Ich lasse von dieser Stelle an einfach die Fotos (mit einigen Bildunterschriften) für sich sprechen.
Lediglich EIN polares Erlebnis bleibt für uns im gefrorenen Finnland verborgen: Nordlichter! Wir hatten so sehr gehofft und gebangt, die Vorhersage-Apps immer im Blick, aber Lady Aurora ließ sich leider nicht zu einem Himmelstanz in Grün hinreißen. Mal sehen, vielleicht gibt es ja eine Rückrunde…?
Das Fjällgebiet Sallatunturi

Sallatunturi ist ein finnisches Ferien- und Skigebiet, welches in Sichtweite zur russischen Grenze liegt. Hier unterscheidet sich die Baumlandschaft abseits der Pisten deutlich zu den vorherigen Arealen in denen wir fotografieren.

Toller Kontrast mit dem blauen Himmel.

Wenn du gaaanz leise bist, kannst du hier und da ein Tierchen ausmachen. Dieser Specht lässt sich durch uns nicht stören.

Wir gehen bis zum Observation Tower auf dem Gipfel des Iso Pyhätunturi hinauf. Das letzte Stück wird dir durch eine Holztreppe erleichtert. Von oben hast du einen fantastischen Blick auf die russischen Fjälls.

Oulanka Visitor Center

Vom Oulanka Visitor Center kannst du am Flusslauf des Patonivas entlanglaufen, der zu dieser Jahreszeit fast vollständig zugefroren ist. Diese zwei Aufnahmen zeigen gut, wie nach einem kurzen offenen Stück das dunkle Flusswasser gurgelnd unter die Eisschicht abfließt. Bloß nicht reinrutschen!


Valtavaara Wintertrail

Der Valtavaara-Wintertrail hat es in sich. Du startest am Parkplatz im Skigebiet Ruka und wanderst dann dauerhaft bergauf. Trotz Kälte kommst du ins Schwitzen. Ab halber Strecke siehst du schon dein Ziel: die Gipfelhütte.


In der kleinen Hütte gibt es sogar ein Gipfelbuch, in das du dich eintragen kannst.

Nur wenige Minuten hält diese einmalige Lichtstimmung an, als wir den Sonnenuntergang an der Gipfelhütte genießen. Momente von heute sind die Erinnerungen von morgen. Love it!

Vollmond!

Unterwegs

Morgenstimmung an einem kleinen Flusslauf den wir im Vorbeifahren entdecken.


Was macht der denn da?

Eine kleine Wasseramsel hat es sich auf einem Eisabbruch gemütlich gemacht, bevor sie wieder auf Tauchgang geht, um unter Wasser nach Larven und Krebschen zu suchen. Interessant: Die Wasseramsel ist der einzige europäische Singvogel, der tauchen und schwimmen kann.

Ich bin verliebt – in die Frostlandschaft Finnlands!
Mein Highlight: Die Myllkoski Stromschnellen

Dieser Blick von der Hängebrücke auf die alte Mühle an den Myllkoski-Stromschnellen ist mein absolutes Wunschmotiv vor Reiseantritt. Du musst dir vorstellen: Vor Reiseantritt bleibt immer diese quälende Ungewissheit, ob die Bedingungen für eine Fotoreise mitspielen würden. Es ist durchaus möglich, dass du statt vereister Schneelandschaften auf Regen und Tauwetter triffst. Dann ist alles für die Katz. Bei unserem zweiten Versuch finden wir hier eine Winterlandschaft vor, die unsere kühnsten Erwartungen noch überbietet. Volltreffer!

Hier siehst du den gleichen Flusslauf aus Perspektive der Mühle.

Einige Hundert Meter flussabwärts.

Zwischenzeitlich haben Holger und ich uns getrennt, weil wir unterschiedliche Motivideen umsetzen möchte. Als wir irgendwann im Wald wieder aufeinandertreffen, haben beide etwas zu erzählen: Holger gelang das Foto eines Fischotters mit einer frisch gefangenen Bachforelle im Maul, mir lief ein Rentier über den Weg, das ich formatfüllend ablichten konnte. Wir sind beide sehr glücklich mit unser fotografischen Ausbeute.

Wow, Wow, Doppel-Wow! Gerade als die aufgehende Sonne über die Baumwipfel scheint, kommen wir an diesem Pool vorbei, in dem sich eine große Zahl von Eisschollen in der Kreisströmung dreht. Eine lange Belichtungszeit von 30 Sekunden sorgt hier für den Strudeleffekt.
IN EIGENER SACHE
Seit einiger Zeit hast du die Möglichkeit, ausgesuchte Landschaftsfotos als Highend-Druck für deine Wohnzimmerwand, das Büro oder die Praxis bei mir zu erwerben. In meinem Portfolio kannst du dich ein bisschen umschauen: Portfolio. Mit deinem Kauf unterstützt du mich bei meinen freien Arbeiten, die ich auf eigene Kosten in buchungsschwachen Phasen realisiere. Schicke mir bei Interesse einfach eine E-Mail mit deinen Wünschen über das Kontaktformular. Das können Fototrips (dieser hier war super: La Gomera-Fotoreise), Portraitprojekte (wie zum Beispiel dieses hier: Charakterportraits in Schwarzweiß) oder auch ganz andere ausgefallene fotografische Ideen sein.
