Zwischen Highlands und Küsten – ein Foto-Roadtrip durch Schottland
Auf diesen Solo Foto-Roadtrip durch Schottland habe ich mich lange gefreut. Das volle Programm: Schlafen im Auto, waschen im Fluss, Kaffee auf dem Gaskocher aufbrühen – all das. Apropos schlafen im Auto: Meinen geliebten Fiat Doblo habe ich vor drei Jahren genau mit diesem Hintergedanken gekauft und ausgebaut. Längst gibt es einen Namen für diese minimalistische Form des Reisens – „Stealth Camping“. Dabei soll das Auto von außen nicht als mögliche und verzwergte Wohnmobilvariante wahrgenommen werden (z.B. durch Strom- und Wasseranschlüsse, Lüftungsfenster etc.), denn das Ziel ist, quasi inkognito darin zu übernachten, ohne dass es jemand mitbekommt. Jegliches Camping-Verhalten ist dabei tabu. Stühle, Tische, Grill usw. haben vor dem Auto nichts zu suchen, außerdem gilt: spät kommen, früh wieder aufbrechen! Das gesamte Verhalten ist auf Unauffälligkeit ausgelegt. Schottland bietet hierfür ausgezeichnete Voraussetzungen, weil vieles bei zurückhaltendem Agieren geduldet wird, im Gegensatz zum überregulierten Deutschland.

Traumhafter Sonnenaufgang in den schottischen Highlands – dafür bin ich nach Schottland gereist.

Fast schon surreal anmutend diese zerklüftete Küstenlandschaft.

Schottland in einem Bild: trübes Wetter, alte Burgen, weite Landschaft.
Mit der Fähre zum Foto-Roadtrip durch Schottland
Nun gut, erstmal musst du irgendwie mit deinem Auto nach Schottland kommen. Und hier habe ich (wie auch bei anderen Fotografie-Abenteuern) inzwischen die Fähre als ideales Transportmittel kennen- und schätzen gelernt. Abends checkst du in Amsterdam auf der Fähre ein, legst dich in deiner Kajüte hin und verlässt am nächsten Morgen gefrühstückt und ausgeschlafen das Schiff in Newcastle. Von dort sind es dann noch zwei Autostunden bis nach Schottland, wo du die ersten Motive fotografieren kannst. Günstig & Genial! Und wenn irgendwer Verständnis für meine Sparfuchsmentalität haben sollte, sind es ja wohl die knauserigen Schotten, oder? (Wenn dich diese Form der Fotoreise interessiert, findest du am Ende dieses Beitrag einen kleinen Infoteil.)
Home Street Home
To make a long story short: Ich komme ohne festen Plan aber dennoch gut vorbereitet in Schottland an. Mein Ziel ist, mich je nach Wetter und vorab ausbaldowerten Fotospots treiben zu lassen. Eine feste Route ist nicht eingeplant – und das ist auch gut so. Bei meiner Ankunft herrscht postkartiges Wetter, was wir Landschaftsfotografen ja immer nicht so gerne mögen. Wir wünschen uns Drama im Himmel, keinen Blue Sky. Deshalb fahre ich zunächst Spots an, die eher bei sonnigen Verhältnissen wirken und spare mir die von Atmosphäre lebenden Spots (Moody statt Beauty!) für später auf. Ich erspare dir an dieser Stelle die Beschreibung meiner wilden Fahrtstrecke und ordne ab hier den Blogbeitrag nach Fotomotiven. Ich beginne mit meiner größten Niederlage dieses Foto-Roadtrips: Wasserfälle!

Das Dunrobin Castle im Norden der schottischen Highlands bei strahlend blauem Himmel. Schön ist es ja. Auf mich wirkt das aber zu postkartig, deshalb mache ich mich nach einem kurzen Stopp gleich wieder auf den Weg.
Wasserfälle fotografieren in Schottland
Mein Reisedatum habe ich bewusst um den Monatswechsel April/Mai gelegt, um das erste Grün der Wiesen und Wälder auf den Fotos zeigen zu können. Das erste Grün sprießt tatsächlich wie bestellt in Wald und Flur – alles fein! Nur: Der letzte Regen liegt nun schon einige Zeit zurück, neuer kommt bei meinem zweiwöchigen Aufenthalt leider nicht hinzu. Muss man sich mal vorstellen: Zwei Wochen Schottland ohne nennenswerten Regen – verrückt! Dadurch führen die Flüsse kein oder viel zu wenig Wasser und so sind manche Wasserfälle zu bemitleidenswerten Rinnsalen zusammengeschrumpft.

In diesen kleinen Waldwasserfall habe ich mich verliebt.

The Hidden Waterfall

Moody!

Die schlechte Nachricht: Drohne ertrunken! Die gute: Ist nicht meine. Puh!
Tja, im Herzen der Highlands rund um Glenco liegt einer meiner wichtigsten Bucket List-Wasserfälle, der nun leider nichtmal im Ansatz zu erahnen ist. Aaargh, kannstnixmachen! Letztlich alles nicht so schlimm, weil der Bereich um Glenco gleichzeitig der touristisch am stärksten frequentierteste ist und ich eh eher die Stille suche. Menschen, lauter Menschen. Schnell weg hier! Und überhaupt, hier und da komme ich im Laufe der Reise dann doch noch auf meine Kosten mit einigen versteckten Wasserfällen.

Traumhafte Morgenstimmung in den Highlands bei Glenco.


Der Loop of Fintry ist ein kaskadenartiger Wasserfall nicht weit von Glasgow entfernt. Diese Aufnahme mache ich von der obersten Stufe bei Sonnenuntergang. Hübsch, oder?

Die „Fairy Bridge of Glen Creran“ liegt etwas versteckt im Wald. Leider führt der kleine Bachlauf bei meinem Besuch nur sehr wenig Wasser – schade.
Glen Affric – Waldbaden auf Schottisch
Dass ich das erste Frühjahrsgrün in Schottland fotografieren möchte, habe ich eben gesagt. Hier und da hinkt die Natur zwar noch ein bisschen hinterher, aber ich kann mich nicht weniger an den immergrünen schottischen Waldpinien mit ihren unregelmäßig wachsenden Kronen und an anderen kargen Gewächsen erfreuen – dankbare Fotomotive. Was mich richtig flasht, ist das Naturschutzgebiet Glen Affric in den Northwest Highlands, westlich von Loch Ness. Hier treffe ich auf das erste Rotwild, was später noch Bedeutung für diese Fotoreise haben wird. Auf jeden Fall: Nach Glen Affric muss ich unbedingt im Herbst nochmal reisen, traumhaft schön.

Dies ist der klassische Aussichtspunkt im Naturschutzgebiet Glen Affric. Ich erkunde und bewandere das Gebiet für mehrere Tage. Hier entdecke ich das erste Wild und switche später auf zwei Abende Wildlife-Fotografie um.


Die schottische Pinie ist der einzige heimische Kiefernbaum in Schottland und gleichzeitig Schottlands Nationalbaum.

Ein ganz besonderes Exemplar bei Sonnenaufgang.

Hier zu wandern ist ein Genuss für alle Sinne. Wem das nicht gefällt, dem ist nicht zu helfen.



Schottische Hochlandrinder laufen vielfach frei herum und haben die Gelassenheit eines Hindu-Königs. Sehr drollig!

Bluebell-Blüte, Anfang Mai.

Einzelgänger. Ich mag sie ja, die Individualisten, die sich selbst Genüger, die Weitermacher!


Die „North Coast 500“ Route
Im Verlauf meines Foto-Roadtrips durch Schottland fahre ich die „North Coast 500“. „500“ deshalb, weil diese Route rund 500 Meilen (ca. 800 Kilometer) lang ist. Nun ja, und wofür „North Coast“ steht, kannst du dir ja denken. Alles in allem eine lohnenswerte Tour entlang des rauen nördlichen Zipfel Schottlands, die dich bis dicht an die Orkney-Inseln führt. Hier habe ich mir stürmische See, brechende Wellen und tosendes Wasser erhofft. Was ich überwiegend bekomme: Blauer Himmel, spiegelglatte See, Windstille. Ergo: Für eine baldige Herbsttour mit den ersten Stürmen vormerken! Bin gut vorbereitet, denn ich habe einige spannende Punkte entdeckt und in meine interaktive Fotospotkarte eintragen können. Deshalb sehe ich die „North Coast 500“ als gelungene Explorations-Tour für spätere Fototrips an.

Die drei Sea Stacks am Duncansby Head, dem nordöstlichsten Punkt Schottlands. Anhand dieser zwei Fotos lässt sich gut zeigen, was Perspektive in der Fotografie bewirkt. Das obere Bild ist aus nördlicher Richtung mit mittlerer Brennweite aufgenommen und „verdichtet“ die drei Spitzen, während ich das untere Foto weitwinkelig aus südlicher Richtung aufgenommen habe, was die wahre Entfernung realistisch zeigt.

„This is my church. This is where I heal my hurts!“ (Faithless, 1998)

Der Bow Fiddle Rock zur Blauen Stunde. Die Form erinnert tatsächlich an eine Geige mit einem Bogen, daher der Name.

Die Kylesku Bridge überquerst du auf der „Nort Coast 500“. Erinnert fast ein bisschen an die berühmte Europastraße in Norwegen. Schön, wie die aufgehende Sonne die Bergspitzen in goldenes Licht taucht, oder?
Fast vergessen: Im Westen Schottlands befindet sich die berühmte „Isle of Skye“, die ich bei diesem Roadtrip ausklammere. Und das hat seinen Grund – bereits 2024 war ich dort auf einer einwöchigen Fotoreise und wollte diesmal Neuland erkunden. Wenn du magst, kannst du dir aber (m)einen Blogbeitrag dazu anschauen: Fotoreise zur Isle of Skye
Wildlife-Fotografie – Hirsche, Hirsche, Hirsche
Zugegeben, ich bin nicht sehr interessiert an Wildlife-Fotografie. Wenn mir aber ein besonderes Tierchen in freier Wildbahn über den Weg läuft, hole ich natürlich trotzdem das lange Tele raus und freue mich über ein tolles Foto. Schafe (mit ihren neugeborenen Lämmern), Highland Cattles und Fasane? Geschenkt – die bekomme ich hier in Schottland fast täglich vor die Linse. Als mir abends aber der dritte Hirsch begegnet, lege ich es drauf an. Immerhin ist der Rothirsch das bekannteste und größte Wildtier Schottlands und die Population in den Highlands ist enorm. Wenn nicht hier, wo dann? Ich lege mich zwei Abende mit dem Fotoapparat auf die Lauer und verliere mich in dieser aufregenden Fotojagd. Was dabei herausgekommen ist, siehst du hier:

Wann siehst du in Deutschland schonmal einen Hirsch mit Geweih? Hier sind es unzählige, die ich an zwei Abenden fotografieren kann.

War viele Jahre mein Traum, in Schottland kann ich ihn mir gleich mehrfach erfüllen: kämpfende Hirsche fotografieren!



Der ließ mich besonders dicht ran.

Bestes Licht!

So sehen Lieblingsfotos aus! Tolles Erlebnis!

Wildschön, oder?
Klippenruinen und Märchenschlösser
Burgen, Schlösser und Ruinen – auch dafür steht eine Fotoreise nach Schottland. Ich habe da aber durchaus meine Prinzipien und praktiziere hier und jetzt schottische Sparsamkeit! Sobald die Besichtigung Eintritt kostet und/oder wenn ich am groß angelegten Parkplatz markierte Flächen für Touristenbusse sehe, habe ich keine Lust mehr, das Bauwerk zu fotografieren. Laaang-weilig! Mein Herz schlägt da eher für die verlassenen und vergessenen Gemäuer mit ihrem morbiden Charme. Ganz besonders hat es mir die Dunnottar Castle Ruine angetan, die ich an dem einzig nebligen Tag bei Wunschbedingungen ablichten kann. Das ist das Glück des Tüchtigen, insgesamt bin ich die Ruine viermal angefahren, um sie bei mystischen Bedingungen zu erwischen. Nicht umsonst habe ich eines der entstandenen Fotos als Titelbild dieses Beitrags ausgewählt.

Der St. Conan’s Kirk statte ich einen kurzen Besuch ab und schaue sie mir begeistert von innen an. Weil: Hier wird auch geheiratet! Wäre das nicht ein Traum, hier als Fotograf eine Hochzeit zu begleiten? Für mich schon!


Favorit dieses Foto-Roadtrips durch Schottland ist die Ruine des Dunnottar Castles. Ich komme morgens zum Fotografieren hierher, aber auch abends und dann endlich auch bei nebelverhangenem Himmel – so hatte ich es mir in der Vorbereitung gewünscht.

Fotografische Wunschbedingungen am Dunnottar Castle. „Yiiieehaaah!“


Bei Ebbe und bewegtem Wasser kannst du auch von unten tolle Bilder machen.

Ich mag diesen von Verfall geprägten Charme alter Gemäuer.


Das Glenfinnan-Viadukt samt Harry Potter-Zug (oben), sowie das Eilean Donan Castle (unten) habe ich bei einer früheren Fotoreise bereits erkundet und fotografiert, zeige hier beide aber nochmal der Vollständigkeit halber.


„Dracula Castle“ wird diese Schlossruine häufig genannt, weil sie dem irischen Schriftsteller Bram Stokers als Inspirationsquelle für seinen weltberühmten Roman „Dracula“ diente. Gar nicht so abwegig.

Ich krieg Gänsehaut!
Infoteil – Schottland zum Nulltarif
Na gut, das mit dem Nulltarif ist natürlich geflunkert. Dennoch: Eine kostengünstigere Variante als mit dem Stealth Camper durch Schottland zu reisen, sehe ich nicht. Es sind ausschließlich Transport-/Fahrkosten angefallen, ansonsten habe ich keinen einzigen Euro ausgegeben. (Womit ich der Schreck jedes touristischen Unternehmens sein dürfte.) Für die 15-stündige Fährüberfahrt von Amsterdam nach Newcastle und zurück war die günstigste (Innen-)Kabine für mich voll ausreichend. Das Ticket hat mich insgesamt 800 € gekostet. Alternativ wäre die Kombination aus Flug und Mietwagen (Minicamper) möglich, aber deutlich teurer gewesen. Vor Ort und für die An-/Abfahrt nach/von Amsterdam-Hamburg sind dann noch insgesamt rund 500 € Spritkosten angefallen. Außerdem hier und da ein kleiner Obolus für das Abstellen des Fahrzeugs auf gepflegten Wanderparkplätzen, was vollkommen in Ordnung geht. Zusätzliche Kosten sind keine entstanden. Unterm Strich also 1.300 € für die Anreise und Streckenbewältigung zu Wasser und zu Lande während einer zweiwöchigen Fotoreise.

Mit und in meinem „Fotomobil“ lebe ich in Schottland zwei Wochen lang quasi inkognito und werde von den Einheimischen bestens akzeptiert.
Ökologischer Fußabdruck: Was ich an Sprit verfahre, kann ich durch ansonsten konsequenten Minimalismus auf der Reise gut ausgleichen. Ich habe mich in zwei Wochen chemiefrei im Fluss/See gewaschen, 250ml Gas für das Kochen von Wasser und aufwärmen von Speisen benötigt, sowie 20 Liter Leitungswasser verbraucht. Für das Aufladen der Batterien, Lampen und des Handys fielen etwa 30 Ah Strom an, den ich im Form eines 12 Volt LiFePO4-Akkus aus Deutschland mitgebracht habe. That’s it! Versuch das mal zu Hause!

Mein Schlafwagen. Ich nenne meinen ausgebauten Fiat Doblo liebevoll „Fotomobil“. In ihm übernachte ich dicht an den Fotospots und habe in aller Herrgottsfrühe keine langen Anfahrtswege. Abends steht auf dem schwenkbaren Tisch mein iPad und ich kann Netflix gucken – praktisch. Bisschen wie im Krankenhaus.

Wichtigstes Feature in meinem Fotomobil: die Kaffeeklappe!

Die 12 Volt Stromversorgung erlaubt mir die nächtliche Innenbeleuchtung im Fahrzeug und das Aufladen der Foto-, Drohnen- und Handyakkus. Mehr brauche ich nicht.
IN EIGENER SACHE
Seit einiger Zeit hast du die Möglichkeit, ausgesuchte Landschaftsfotos (auch aus diesem Beitrag) als Highend-Druck für deine Wohnzimmerwand, das Büro oder die Praxis bei mir zu erwerben. In meinem Portfolio kannst du dich ein bisschen umschauen: Portfolio. Mit deinem Kauf unterstützt du mich bei meinen freien Arbeiten, die ich auf eigene Kosten in buchungsschwachen Phasen realisiere. Schicke mir bei Interesse einfach eine E-Mail mit deinen Wünschen über das Kontaktformular. Das können Fototrips (dieser hier war super: Fotoabenteuer Lappland), Portraitprojekte (wie zum Beispiel dieses hier: Typen mit Tattoos) oder auch ganz andere ausgefallene fotografische Ideen sein.